Manfred Motte - 2015

Veröffentlicht in Kolumnen

Sie kennen mich, Manfred Motte, der im Tschoopen des Zünfters wohnende ewige Nörgler. Heute will ich mit einer Mär aufräumen, der auch ich Jahre lang aufgesessen bin, die aber natürlich immer wieder Stoff für meine kleine Anekdoten geboten hat.

Wir alten Kleidermotten sind an sich gar keine Schädlinge. Es ist wie überall, die Jungen saufen und fressen sich grenzenlos durch die Gegend und ruinieren unseren ansonsten guten Ruf.

Die aus den von uns mit Bedacht vorsichtig in geeigneten Behältnissen abgelegten Eiern schlüpfenden Larven sind gefrässig. Sie benötigen für ihr Wachstum Keratin, das in Tierhaaren in ausreichender Menge vorhanden ist. Deshalb werden Kleider aus Schurwolle, Pelzen, Fellen und auch Teppiche von den Larven bevorzugt als verdichtete Wohngegenden benutzt. Noch beliebter sind getragene, ungewasche Kleider, denn frische Haare und Hautschuppen bringen noch ein paar zusätzliche Gault Millau Punkte. Paradiesische Verhältnisse, solange der Mensch nicht dreinfunkt. Seine Mittel sind allerdings bescheiden; toxische Chemie als Frassgifte und ätherische Öle aus diversen Hölzern zum Vergällen der bescheidenen Behausung; Waffen, die zeigen wie feige sich der Mensch verhält wenn er anonym auftreten kann und sich dem offenen Kampf nicht stellen will. Echte Gefahr droht uns nur von Trichogramma-Schlupfwespen, die unsere Eier für ihre eigene Eiablage missbrauchen und uns so hart an der Basis treffen.

Wie erwähnt, wir Motten schaden nicht. Im Gegenteil, wir verhelfen dem Menschen dazu Ordnung in seinen Kleidern zu halten. Mit Mottenkugeln oder Mottenpapieren führt der Mensch lediglich einen Stellvertreterkrieg gegen sich selbst. Auch da.