Manfred Motte - 2011

Veröffentlicht in Kolumnen

Auf das Jahr 2011 freute ich mich besonders. 600 Jahre Zunftverfassung, das bedeutete für mich eine Menge verschiedene Feierlichkeiten, viele Menschen mit farbigen, alten Kostümen aus schweren Stoffen, für uns Motten ein Eldorado. Als mittlerweile erfahrene Zunftmotte, beheimatet im Tschopen eines Zünfters, wollte ich mich optimal auf das Jahr vorbereiten. Ich ernährte mich nur noch minimal, und sparte meinen Hunger auf die erste Gelegenheit, mich in alten Leinen verbeissen zu können. 

 

Pech gehabt. Mein Tschopenträger hielt es nicht für nötig, anfangs Jahr am Dreikönigsumzug teilzunehmen. Aus Verzeiflung nagte ich an einer gedörrten Kravatte.

Die nächste Chance ergab sich im Juli. Der Festakt versprach viele Menschen, insbesondere auch Ehrengäste aus anderen Städten. Begegnungen mit Motten aus Basel, Bern, Zug, sogar aus Zürich! Auch daraus wurde nichts. Meine Tschopenträger fand es wichtiger, seinen Urlaub in Island so zu timen, dass es nicht ans Gala reichte. Mann, war das kalt in Island. Wind, Regen, Kälte, imprägnierte Jacken aus synthetischem Material - unhaltbare Zustände! Wann alarmiert endlich jemand einmal den Tierschutz?

Endlich, am Bartholomäusmarkt hoffte ich, aus dem Vollen schöpfen zu können. Mein Tschopenträger musste in eine auf alt gemachte Schlutte schlüpfen, und einen einen Kassenstand hüten. An sich guter Stoff, aber was für eine Enttäuschung! Es regnete. Während er seinen Kopf unter einem Hut verbarg, und den unter dem behelfsmässigen Dach des Kassenstandes im Trockenen halten konnte, lief der Regen über das Dach ab, tropfte hinten über seinen Rücken, die Schlutte triefte. Mein Mottenkollege, der sich ungeschickterweise da aufhielt, wurde beinahe auf den Boden gespült.

Schliesslich blieb mir wieder, wie jedes Jahr, nur der Bot. Altbekannte Gesichter, ausgebeulte, aber wenigstens trockene und warme Tschopen. Ich genoss den Abend. 

Obwohl an sich nichts besonderes, werde ich mich wohl gerne an den 600 Jahr Zunftverfassungsbot erinnern.