Manfred Motte - 2012

Veröffentlicht in Kolumnen

Letzthin besuchte mein Tschopenträger - der geneigte regelmässige Noodelöhr-Leser weiss ja mittlerweile, dass ich als Motte ein beschauliches Leben im Anzug eines Zünfters friste, und ihn liebevoll als «meinen Tschopenträger» betitle - eine Führung durch die Klosteranlage in Schaffhausen. Mich interessierte das Gefasel um die Geschichte des Benediktinerklosters natürlich nur wenig. Spannender fand ich die Kutte des Abtes, in der ich tatsächlich einen echten noch lebenden Nachkommen des stadtbekannten Johann Nepomuk von Mott kennenlernte.

Johann Nepomuk gehörte zu dem Kreis der Motten, die damals zur Zeit der Reformation in Schaffhausen am militantesten gegen die neue Modeerscheinung der Kirche ankämpfte. Das Motiv der Motten zum Kampf gegen die Reformatoren war simpel: in der katholischen Kirche gehörten wallende Gewänder der Würdenträger zur Standardausrüstung, für die Motten ein Eldorado. Die schlichten Kleider der Reformierten hingegen boten nur wenig Schutz und Nahrung. Darin ist «sBättle versumet», wie sich Johann Nepomuk auszudrücken pflegte. Interessant, was ich im Gespräch alles aus der Kutte des Abtes erfuhr.

Einmal mehr aber zeigte sich, dass das wahre Leben die besten Geschichten schreibt. Abt Michael, der natürlich nichts von seinem kleinen Kuttenbewohner und seiner Familiengeschichte ahnte, wusste viel aus der Zeit der Reformation in Schaffhausen zu berichten. Er erwähnte im Laufe seiner Ausführungen, dass auch heute noch Nachkommen von einem der verschiedenen Reformatoren in Schaffhausen leben würden. Was allerdings Abt Michael nicht wissen konnte: Zwei dieser Nachkommen, ihres Zeichens Zünfter bei den Schneidern, waren bei der Führung durch die Klosteranlage als interessierte Gäste dabei. 

Ausgerechnet im Tschopen eines dieser Nachkommens lebte die Motte Manfred, die während der Führung der Kutte des Abtes einen Besuch abstatte, und da ihre eigene Version der Reformationsgeschichte von Schaffhausen erzählt bekam...