Manfred Motte - 2013

Veröffentlicht in Kolumnen

Als vielbeschäftigte Motte im Tschopen eines Schneiderzünfters erlebt man im Laufe eines Jahres immer wieder anekdotische Gegebenheiten, die man dem geneigten Leser, der sich ja in gewohnter Manier an Schreibe in Prosa gewohnt ist, nicht vorenthalten sollte.

Ein erstes Highlight bildete der Zunftmunot im Juni. Motte nahm im Atelier eines Kostümverleihs in Feuerthalen, also ennet dem Rhein auf zürcherischem Boden, temporär Platz in auf alt gemachte Gewändern, die die Kleidung eines bereits protestantischen Pfaffen aus dem 16. Jahrhundert darstellen sollte. Noch heute zeigt der Zünfter stolz ein Bildchen, geschossen mit einem Telefonapparat der Apfelgeneration des 21. Jahrhunderts, es zeigt ihn zusammen mit seiner Gattin, ebenfalls auf alt gemacht (kleidungsmässig natürlich), auf einem Parkplatz der Kantonsschule Schaffhausen, vor einem grellgrün lackierten Hybridfahrzeug (siehe Seite 15). Welch ein Stilbruch!

Als der Tschopenträger-Zünfter per Email von Herzinfarkt des Zunftmeisters erfuhr, und sich bei dieser Gelegenheit schmerzlich bewusst wurde, Vize zu sein, hatte er seine eigene erste Notfall-Spitalerfahrung des aktuellen Jahres bereits hinter sich. Gallenkoliken, ein in Mottenkreisen unbekanntes Leiden, hatten ihn zu Fall und für einige Tage in die Klinik gebracht. Einige Wochen später wurde ihm kurzerhand die Gallenblase mit dem gesamten innenliegenden Kieswerk operativ entfernt, ein Vorgang, den Motte nur aus dem Garderobekasten des Spitalzimmers indirekt verfolgen konnte, und der letztlich auf dem Bauch des Opfers Spuren hinterliess, wie wenn es zur Jagdzeit ungeschickterweise auf der falschen Seite der Flinte gestanden hätte.

Am Bot schliesslich, wieder im Kreise der Mottenkollegen auch aus dem Tschopen des Zunftmeisters, diskutierte man mottenmässig über Sinn und Unsinn der Auszahlung von jährlichen Renten in Rappenhöhe an Witwen und Waisen, an Alte und Uralte, an Pensionierte und andere nicht mehr Ferienanspruch habende. Die diskussionswürdigste Idee hatte Motte Max aus dem Hause Deggeller: «Rechnet die Rente doch in Zukunft mit Cumulus Punkten ab. Jörg Zulauf aus Zürich würde dazu sicher beratend zur Seite stehen.»